Söl'ring

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Über diese Website


Ziel dieser Website ist es Interessierten zu helfen das stark bedrohte Sölring / Sylterfriesisch zu lernen. Dafür wurde ein Wörterbuch kreiert, an dem fortwährend gearbeitet wird, ein Konjugator für Verben und eine Aussprachehilfe. Wir sind der Meinung, dass eine Sprache, um das 21. Jahrhundert zu überleben, auch die digitale Welt betreten muss. Mit dieser Website soll ein solcher Schritt erfolgen.

Das Söl’ring war jahrhundertelang die Sprache der Insel Sylt und damit ein wichtiger Teil Sylts und der Sylter. Mittlerweile wird das Sölring nur noch von 600 Personen auf Sylt gesprochen, was ungefähr 3% der Bevölkerung entspricht, der absolute Großteil von diesen lebt in den Ostdörfern (Keitum, Archsum und am wichtigsten : Morsum). Nach Daten von verschiedenen Befragungen wird das Sölring im Westen der Insel (Westerland, Norddörfer, Tinnum, Rantum) heutzutage nur noch von rund 50 Leuten gesprochen.

Mit der Hoffnung möglichst viele Leute mit dem Sölring in Kontakt zu bringen und das Sprachwissen zu erhalten wurde diese Seite erstellt.

Diarme üüs ual Söl'ring Spraak ek stereft! -
Damit unsere alte Sylter Sprache nicht stirbt!


Abkürzungen


Alt / älter = ältere (nicht mehr benutzte) Form eines Wortes
Pl. = Pluralform (meist gekennzeichnet durch “Wort”-”Pluralendung” zB. Uurt-er)
Schon pl. / immer pl. / pl. und singular = das Wort befindet sich in der Pluralform (keine Änderung zum Plural, oder nur als Plural benutzt)
RV = regelmäßiges Verb (nur bei gleichlautendem unregelmäßigem Verb)
V = Verb (reg. = regulär “-i” am Ende wird zu “-et”, reg. II = “-i” am Ende wird zu “-t”, reg. III = zum Konsonant am Ende wir “-t” hinzugefügt, nichts = unregelmäßig)
!! wenn nach dem Verb mit = “hat …” begonnen wird hat das Verb nur die Formen für die 3te Person, zB. riin, ske
Neu = neues Wort
Neu! = sehr neues Wort
Spz. = spezifisch extra für Bedeutung (das Wort mit = generell, hat auch diese Bedeutung)

Mehrfach aufeinanderfolgende XXXX oder !!!! oder ???? sind Kommentare des Autors, diese sind zu ignorieren


Aussprache


Obwohl IPA transkriptionen für die Wörter vorhanden sind, werden hier noch einmal die Aussprache Regeln zusammengefasst um sie so verständlich wie möglich zu machen.

Falls Sie mit dem IPA nicht vertraut sind, sehen sie hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_IPA-Zeichen

Die Aussprache orientiert an Dirk Wilkommen 1991

Ein älteres Friesisch-Deutsch Wörterbuch, Informationen zur historischen Aussprache etc.


Wichtigste Regeln:
Der als “đ” gekennzeichnete Laut ist im Westen ein “gerolltes R” und im Osten ein “L” (Archsum, Morsum, Keitum)
Das “R” wird grundsätzlich immer wie im Spanischen gerollt
Das “R” vor “p” oder “b” kann auch als f ausgesprochen werden (mehrheitlich im Osten der Insel)


Vokale:
A : wie a in am
Ā : wie ein langes a in haben
AA : wie ein langes o in Ofen
E : wie das deutsche e in essen
Ē : wie das lange deutsche ä in Ähre
EE : wie das lange deutsche e in Esel
I : wie das i in “in”, in Vorsilben bi-, gi- und im Auslaut eg. maaki als Schwa (wie e in gerät und mache), vor r / l oft wie “ü” (Jil vs. Jül / jir vs. jür)
II : wie das i in “wie”, generell wie das lange “ie”
O : wie das o in offen
OO : wie das lange o in Ofen
Ö : wie das ö in öffnen
ÖÖ : wie das lange ö in lösen
U : wie das u in “und”
UU : wie das lange u in “Hut”
Ü : wie das ü in “Müll”
ÜÜ : wie das lange ü in “Mühe”


Diphtonge / Triphtonge:
Ai : wie “Ei”, vor r und đ als langes ää (wie Ē)
Ia : wie ja (kurzes i und kurzes a), vor r und đ als langes ää (wie Ē), vor L wie “äə” = “ɛə”
Ua : kurzes o und kurzes a
Oi : wie “eu” in Freude
Ui : kurzes u und kurzes i
Au : wie das deutsche au in “Aue”
Ooi : langes oo und kurzes i
Uai : kurzes o + kurzes a (betont) + kurzes i (ziemlich stark wie das englische why)


Konsonanten


Generell wie im Deutschen, Ausnahmen:

V am Wortende = wie deutsches f in “Frieden”
W innerhalb eines Wortes = wie deutsches f in “Frieden”
G (wenn nicht am Wortanfang) = Nach a- / o- / u wie ch in “hoch”, nach anderen Vokalen wie ch in “Licht” (dies ist wie im Deutschen)
!!! Das R wird immer gerollt wie im Spanischen/Bairischen etc. !!!
R vor “K” und “T” = wie deutsches ch in “hoch”
R vor “P” und “B” = wie deutsches f in “Frieden” (Ostdörfer) oder wie deutsches ch in “hoch”
In den selben Positionen wie im Deutschen, wird “R” auch oft wie “a” ausgesprochen, eg. Roller = “Rolla” / eg. Fesker = “Fesga”, Diar = “däa”, Muar = “moa”.
Sj = wie deutsches “sch”; wenn es im Deutschen wie s ausgesprochen wird (zb. Versjoon, wird sj als “si” ausgesprochen), als “sch” nur am Wortanfang (außer in Lehnwörtern wo im Deutschen ein “sch” vorkommt zb. dusji)
Đ/đ = wie ein gerolltes r oder wie L (“L” im Osten, “r” im Westen)
Ch = nach a / o / u wie deutsches Ch in “Ach”, nach anderen Vokalen wie deutsches Ch in “Licht”
S = normal als stimmloses s, fast nie wie s in “Sonne”, !! Außer !! im Inlaut eines Wortes nach langem Vokal wie “s” in “Sonne” zB. düüsend (tausend)
Nj = verschmelzung von “n” und “j”
Tj = verschmelzung von “t” und “j” eg. wie in Matjes, am Anfang des Wortes und in Konsonantengruppen am Wortanfang wie deutsch “tsch”
Lj = verschmelzung von “l” und “j”
-Er = am wortende ausgesprochen wie im Deutschen “Fischer”
Sk = oft wie “sg” / eg. skep = sgep
St = oft wie “sd” / eg. storem = sdorm

K, P und T werden oft auch als “G”, “B” und “D” ausgesprochen wenn unbetont oder wenn zwischen vokalen eg. hööpi = “hööbe”, maaki = “mooge”


Betonung:

Die Betonung von Wörtern ist wie im Deutschen, auf der ersten Silbe des Hauptwortes (affixe werden ignoriert)


Nomen


Nomen werden wie folgt geschrieben : dit Skelt-er
Dit = Artikel (entweder di oder dit (manchmal beide richtig), Plural nur di)
Skelt = das Wort
-er (oder -s / -en etc.) = Pluralendung des Wortes
Das Wort Skelt (Bild) würde also im Singular = dit “Skelt” und im Plural = di “Skelter” heißen


Adjektive


die reguläre Steigerung ist:
Hoog, Hoog-er, Hoog-st / Gau, Gau-er, Gau-st
1. X, 2. -er, 3. -st
Ausnahmen werden im Wörterbuch angegeben, diese sind:
Lüng - leenger - leengst (lang)
Ual - ialer - ialst (alt)
Eeđer - jer - jest (früh)
Hol - lewer - lefst (gerne)
Litjet - mener - menst (wenig)
Fiir - förter - fiirst (weit, kann auch regelmäßig sein = fiir - fiirer - fiirst)
Fuul - muar - miist (viel)
Gur - beeter - beest (gut)


Verben


Im Uurterbok wird bei den meisten Verben ebenfalls die Konjugation angegeben. Diese hängt fast immer mit dem Hauptverb zusammen eg. ofbech = konjugation von bech, die Präpositionen verhalten sich dabei wie im Deutschen eg. ütbech (ausbauen) = Hi becht üt = Er baut aus, Hi heer ütbecht = Er hat ausgebaut.


Die Verben werden im Konjugator wie folgt angegeben:

Verben : 2te sing (“du”), 3te sing (“er/sie/es”), Präteritum (2te Präteritum füge : -st hinzu, (falls Endung : -t (nach Konsonant) = ersetze -t mit : -st)), Partizip (Perfekt)
Zum Beispiel : se (sehen)
Se: dü sjochst, hi sjocht, saag, sen
Die 1. Person singular sowie die 1 / 2 / 3. Person plural ist im Präsens gleich dem Infinitiv. zB : Ik se = Ich sehe
“Dü sjochst” = Du siehst
“Hi sjocht” = Er sieht
Das 3. Wort “saag” ist die Vergangenheitsform, diese ist bis auf die 2. Person singular bei allen gleich. Die 2. Person wäre dann nach den obenstehenden Regeln = “dü saagst”.
Das allerletzte Wort “sen” ist das Partizip und wird dann zb. Zur Bildung des Perfekt oder Plusquamperfekt benutzt. zB. Ik haa sen (Ich habe gesehen), Dü heest sen (Du hast gesehen), Hi her sen (Er hatte gesehen). Das Partizip ist bei allen Personen gleich und wird fast immer mit dem Wort “haa” (haben) zusammen gebildet. Ausnahmen werden hervorgehoben.

Falls bei den Verben auch die Wörter “jen” (sich) und “hoken” (jemanden) vorkommen, müssen auch die Personalpronomen (im 3. Fall) gekannt werden. Diese sind :
Jen ….. (Sich) : Ik = mi, Dü = di, Hi = höm, Jü = höör, Hat = höm, Wat = unk, At = junk, Jat = jam, Wü = üüs, I = juu, Ja = jam
Hoken (Jemanden) : Ik = mi, Dü = di, Hi = höm, Jü = höör, Hat = höm, Wat = unk, At = junk, Jat = jam, Wü = üüs, I = juu, Ja = jam

Ik = Ich, mi = mir / mich, Dü = Du, di = dir / dich etc. etc.
Dabei verhalten sich die Verben wieder wie im Deutschen.
! Sich wenn bezogen auf das Pronomen “Hi” (deutsch : Er), ist = “höm” !


Partizip


Der Partizip im Präsens eg. schlafend, machend, singend wird im Sölring normalerweise eher selten benutzt. Die Formen werden gebildet durch Anhängen von -en oder -n (falls Verb auf -i endet), zB.:
Der Mann der singt / Der singende Mann
Di Man diar sjungt / Di sjungen Man
= Di Man diar sjungt ist die “authentischere” Form


Präpositionen


Im Sölring wird nie ein Artikel zusammen mit Präpositionen benutzt. zB. üp Hiir (auf [der] Heide), bi Düür (bei [der] Tür) etc.


Zukunft / Futur


Die Zukunft wird im Sölring ähnlich wie im Deutsch beschrieben. Und zwar mit den Verben ‘wel’ oder ‘skel’ + dem Infinitiv. zB. Ik skel maaki = Ich werde machen = Ik wel maaki; Dü wet se = Du wirst sehen = Dü sket se


Um ein Verb zum Nomen zu machen


Dann wird lediglich die Endung -en oder -n (falls Verb auf -i endet) angehängt. Eg. Lachi (lachen) -- dit Lachin (das Lachen)


Höflichkeit im Sölring


Im Sölring wird zur Ansprache von älteren Menschen das Pronomen “ I “ verwendet (egal in welcher sozialen Positionen die Person ist oder in welcher Familienbeziehung). Zur Ansprache von Jüngeren wird durchgehend das Pronomen “ dü “ verwendet.


Üđer Siren / Andere Seiten:

https://liirnordfriisk.blogspot.com (ein Blog um Sölring zu lernen, der Aussprache wegen sehen sie lieber friisk.org)

https://archive.org/details/jahrbuchderhambu...
(Ein älteres Friesisch-Deutsch Wörterbuch, Informationen zur historischen Aussprache etc.)

https://archive.org/details/slringleesbokles00mlle (Ein älteres Sylterfriesisch Lesebuch mit vielen Texten)

http://www.nordfriiskinstituut.de/solring.pdf (Eine kostenlose Sammlung von Söl’ring Texten, vom Nordfriisk instituut)

http://www.frysk-wurdboek.nl/links.html (Westfriesisches Wörterbuch)

http://seelter.16mb.com/woudelisSK.htm (Saterfriesische Wörterliste)

http://www.saterfriesisches-wörterbuch.de (Ein Saterfriesisches Online Wörterbuch)